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[mg] Seit nahezu jeder ein Handy hat, gibt es kaum noch ein Entrinnen. Man wird von Anrufern fast überall erreicht. Diese Eigenschaft der Mobiltelefone könnte eine neue Bedeutung bekommen.
Derzeit drängen Dienste auf den Markt, bei denen es nicht um Kommunikation geht. Die Geräte dienen nur als Peilsender, mit deren Hilfe sich der Aufenthaltsort der Besitzer ermitteln lässt. "Track your kid" nennt sich in Deutschland der erste dieser Dienste. Er verschafft Eltern eine "aus pädagogischer Sicht sanfte Kontrollmöglichkeit ihrer Kinder", wie es beim Anbieter, der Firma Armex aus Gladbeck, heisst. Die Eltern schalten bei Armex das Handy ihrer Kinder frei und erhalten dann nach jeder Anfrage innerhalb von 30 Sekunden Aufschluss über deren Verbleib. Der Aufenthaltsort kann per SMS oder über eine Karte im Internet angezeigt werden.
Das System bedient sich der GSM-Technik des Handys und arbeitet deshalb nicht mit der gleichen Präzision wie ein Navigationssystem. "In der Stadt erreichen wir eine Genauigkeit von einigen hundert Metern", sagt Geschäftsführer Dirk Teubner. "Auf dem Land kann es ein bisschen mehr sein."
Mit ähnlichen Angeboten wie Armex ist zur Computermesse CeBIT das Leipziger Unternehmen Datafactory gestartet. Die Firma bietet auch ein reines Empfangsmodul an. "Damit kann man zum Beispiel feststellen, ob das Boot oder Wohnmobil noch am gleichen Platz steht", sagt Geschäftsführer Thomas Becher. Ausserdem lasse sich das Kästchen etwa in die Kleidung von älteren Menschen einnähen, die mit Handys nicht zurechtkommen. "Gerade Alzheimer-Patienten könnte man damit eine viel grössere Bewegungsfreiheit geben", so Becher.
Überhaupt versuchen die Anbieter, Zweifel an der moralischen Lauterkeit ihrer Dienste zu zerstreuen. Mit Nachspionieren habe das nichts zu tun, betont man bei Armex. "Track your kid" solle dazu dienen, Streit in der Familie zu unterbinden, wie er durch Nachfragen der Eltern entsteht. Auch im Hinblick auf den Datenschutz sei alles abgesichert. So müssen Kunden durch Übersenden des Mobilfunkvertrages nachweisen, dass sie Inhaber der angegebenen Rufnummern sind.
Datenschützer sind von den neuen Diensten nicht begeistert. Laut Thilo Weichert, Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Datenschutz (DVD) in Bonn, steht nicht immer das Wohl des Kindes im Vordergrund. Spätestens ab einem Alter von 14 Jahren bedarf es zudem der ausdrücklichen Zustimmung des Kindes, wenn es über das Handy geortet werden soll. "Sonst wäre diese Praxis rechtswidrig."
Auf der sicheren Seite bewegt sich dagegen eine Handy-Ortung, die vor kurzem von den deutschen Autoversicherern gestartet worden ist: Wer irgendwo auf Deutschlands Strassen eine Panne oder einen Unfall erleidet, muss nicht mehr zu einer der orangenen Notrufsäulen laufen, sondern kann sich auch mit dem Handy punktgenaue Hilfe schicken lassen. Die gebührenfreie Notrufnummer 0800 NOTFON D - in Ziffern 0800/668 36 63 - wurde dazu um ein Ortungssystem ergänzt.
Es funktioniert ähnlich wie die Kindersuchdienste - und deshalb nicht hundertprozentig exakt. "Da man aber beim Anruf einen lebenden Menschen an der Leitung hat, kann man die Angaben im Gespräch präzisieren", sagt Heiko Beermann von der Dienstleistungs-GmbH des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft in Hamburg. Die Koordinaten werden an Abschleppdienste, Polizei oder Rettungskräfte übermittelt - je nach Art der Hilfe, die der Betroffene benötigt.
Quelle: dpa / tele-fon.de