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 tele-fon.de  >  News  >  sipgate: BITKOM startet All-IP-Lobbying auf Kosten der VoIP-Provider
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s i p g a t e
27. April 2010
15:40 Uhr
BITKOM startet All-IP-Lobbying auf Kosten der VoIP-Provider

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[mg]  Überraschend hat der Branchenverband Bitkom seine bisher negative Haltung gegenüber der VoIP-Technologie aufgegeben. Der Grund dafür ist jedoch nicht unbedingt ein Schwenk hin zu einer verbraucherfreundlicheren Position, sondern laut dem VoIP-Provider sipgate ein neuer Schachzug im Kampf gegen günstige und innovative VoIP-Dienste zugunsten der traditionellen Netzbetreiber, allen voran der Deutschen Telekom.

   "Die Internet-Telefonie hat sich im beruflichen und privaten Umfeld etabliert", verkündete der Bitkom vor kurzem stolz und vermeldet zugleich 10,3 Millionen VoIP-Nutzer in Deutschland. Acht Monate zuvor galt VoIP in den Augen des Bitkom noch als eine minderwertige, nur in manchen Fällen geeignete Alternative zum Festnetz.

   Die plötzliche Kehrtwende mag erstaunen, kommt jedoch rechtzeitig zum bevorstehenden Start des All-IP-Netzes der Telekom. Dieses führt Internet und Telefonie in einem Netz zusammen, das Festnetz wird infolgedessen sukzessive abgeschaltet. Kunden werden davon allerdings nur wenig bis gar nicht profitieren, so sipgate, denn die Telefongrundgebühr ist auch künftig weiter zu zahlen.

   Um Festnetzkunden die Netzumstellung schmackhaft zu machen, attestiert der Bitkom eine bereits hohe VoIP-Akzeptanz und macht sich dabei unverblümt die Wachstumsdynamik der freien VoIP-Anbieter zu eigen. Diese, der Festnetz-Lobby seit jeher ein Dorn im Auge, werden vom Bitkom offen diskriminiert. So sei VoIP grundsätzlich von Internet-Telefonie zu trennen. VoIP-Gespräche würden vom Telefon-Anbieter in seinem Netz weitergeleitet, der dadurch die Sprachqualität garantieren könne. Bei der Internet-Telefonie sei dies anders: Hier würden die Gespräche über das öffentliche Internet verschickt.

   Tatsächlich erreicht die Sprachqualität bei Internet-Telefonie seit Jahren oft Festnetz-Niveau und ermöglicht inzwischen zudem Gespräche in sehr guter HiFi-Qualität. Demgegenüber stellt die Telekom den Vertrieb erster All-IP-Anschlüsse wegen erheblicher Qualitätsprobleme bei Telefonaten wieder ein. Ohne die permanente Verbreitung solch haltloser Kritik seitens des Bitkom könnte laut sipgate die Gesamtnutzerzahl für Deutschland grundsätzlich höher liegen.

   Zugleich stellt sipgate die vom Bitkom kommunizierte VoIP-Nutzerzahl in Frage. So prognostizierte der Bitkom im August 2009 für 2009 eine Gesamtnutzerzahl von 6,8 Millionen, was ein Wachstum im 1. Quartal 2010 von mehr als 50 Prozent entspricht. Selbst die im August 2009 für 2010 vorhergesagten 8,2 Millionen Nutzer werden neun Monate vor Jahresende bereits um 2,1 Millionen übertroffen. Woher diese exorbitante Nutzerexplosion zwischen August 2009 und April 2010 kommt und wie solche Fehleinschätzungen erfolgen konnten, beantwortet der Bitkom nicht.

   Auch im Kostencheck belegt der Bitkom seine starke Bindung zu den Festnetz-Betreibern. So wird Kunden eindringlich geraten zu prüfen, ob Internet-Telefonie im Vergleich zu Analog- und ISDN-Anschlüssen aufgrund günstiger Paket- und Pauschaltarife einen tatsächlichen Kostenvorteil bietet. Dabei wird mit VoIP der Festnetzanschluss samt Grundgebühr überflüssig. Allein die daraus gewonnene Einsparung ist selbst für Power-Telefonierer mittels günstigstem Call-by-Call nur schwer herauszuholen. Vielmehr unternehme der Bitkom hier den Versuch dazu beizutragen, die sinkenden Festnetzumsätze seiner Mitglieder bis zum Start von All-IP und darüber hinaus weitgehend konstant zu halten, so sipgate.

   Der Wechsel zu einem freien VoIP-Anbieter bietet Kunden dagegen oft einige Vorteile. Wird auf einen reinen Breitbandanschluss zurückgegriffen, entfällt die Festnetzgrundgebühr komplett. Die Einsparungen: je nach Telekom-Anschluss - Call Start oder Call Basic - jährlich 215 bzw. 239 Euro. Gleicher Vorteil bei den Tarifen: VoIP-Kunden sparen gegenüber Telekom-Kunden pro Festnetzanruf rund 1 Ct/Min und pro Mobilfunkanruf bis zu run 5 Ct/Min. Noch größere Einsparungen ergeben sich meistens bei Anrufen zu EU- sowie internationalen Zielen wie den USA. Flatrate-Nutzer können mittels einfacher Routereinstellung automatisch teure Mobilfunk- und Auslandstarife des Festnetzanbieters via VoIP umgehen.

   Die Vorteile von VoIP-Diensten liegen aber meist in anderen Bereichen. So sind sie im Service dem Festnetz weit überlegen. Kunden verfügen neben Telefonie auch über Fax, SMS und Anrufbeantworter. Kostenlose Zusatzprogramme erlauben, im Internet hinterlegte Telefonnummer per Mausklick anzurufen oder aus allen PC-Programmen heraus zu faxen. Internet-Telefonie war und ist dabei immer schon ohne PC nutzbar. Dafür wird das Telefon mit dem Router verbunden. Alternativ und unterwegs kann mittels Software via Notebook oder Smartphone telefoniert werden. Im Ausland entfallen dadurch sämtliche Roamingkosten. Aufgrund des Konzern-Mobilfunkangebotes werden Telekom-Kunden dagegen wohl nicht so schnell in den Genuss dieses Services kommen.

Quelle: tele-fon.de

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 •  Anbieter: sipgate
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